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Ein Experte für Lehmputze zeigt die Vorteile dieses Baustoffes auf

Michael Dobrovits bezeichnet sich selbst als der „grüne“ Baumeister. Zu Recht, denn seine Leidenschaft gehört seit jeher heimischen, natürlichen Baustoffen!

Gesundes Bauen mit natürlichen Bau- und Dämmstoffen in der Althaussanierung sowie im Neubau ist ihm ein zentrales Anliegen. Durch seine langjährige Tätigkeit hat er sich ein enormes Wissen bezüglich Holz, Stroh, Lehm, Kalk oder Ton u.ä. angeeignet. Gerne informiert er seine Kunden ausführlich über deren Vorteile z.B. in puncto Wohnklima, Nachhaltigkeit, Entsorgung, Kosten-Nutzen usw. Wichtig ist ihm die Realisierung der Bauvorhaben mit Materialien und Firmen aus der Region. Er möchte Transportwege kurz halten, Schadstoffemissionen begrenzen und die regionale Wirtschaft fördern.

Wir haben mit Herrn Baumeister Dobrovits vor allem über seine Erfahrungen bei der Sanierung mit Naturbaustoffen gesprochen. Lesen Sie mehr darüber im folgenden Kurzinterview bzw. auf seiner Homepage!

Herr Dobrovits, Sie bezeichnen sich als „der grüne Baumeister“. Was waren Ihre Beweggründe, mit Naturbaustoffen anstatt der herkömmlichen Industriebaustoffe zu arbeiten?

Das Wissen darüber, wie einfach Naturbaustoffe in der Verarbeitung funktionieren, wie sie durch ihre natürlichen Eigenschaften automatisch für gesunde Raumluft sorgen, CO2 speichern, vor Elektrosmog abschirmen uvm. und dabei keinen Abfall produzieren, hat mich begeistert und überzeugt. Zudem sind die meisten ökologischen Baustoffe in unserer Region ausreichend verfügbar. Wir greifen da auf jahrhundertealte Traditionen zurück, die sich bis heute bewährt haben. Und ersparen uns gleichzeitig riesige Müllberge und enorme Entsorgungskosten.

 

Wie schwierig war oder gestaltet sich dabei Ihre Arbeit? Mussten Sie viel Überzeugungsarbeit leisten? Was sind die größten Hindernisse oder auch Bedenken der Bauherrn?

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass den heutigen Bauherrn selbstverständlich eine gesunde und umweltschonende Bauweise wichtig ist. Sie wollen sich im neuen Heim vor allem wohlfühlen und gleichzeitig die Umwelt schonen. Vor allem für nachfolgende Generationen. Diesbezüglich bedarf es eigentlich keiner besonderen Überzeugungarbeit.

Wichtig ist die detailliertere Beratung über die zu verwendenden Baustoffe, deren Einsatzmöglichkeiten und Verarbeitung. Dafür braucht es entsprechende Erfahrung!

Der Preis ist schlussendlich aber nach wie vor ausschlaggebend für die Bauweise.

Weiters werde ich immer wieder mit Argumenten wie höhere Brandgefahr, Ungezieferbefall usw. konfrontiert. Das lässt sich aber relativ rasch mit Studien und Erfahrungsberichten aus der Welt schaffen. Holz etwa brennt nicht leichter als ein herkömmlicher Industriebaustoff. Im Gegenteil! Holz brennt etwa viel langsamer und berechenbarer ab als herkömmliche, industrielle Baumaterialien.

Wenn Holz Feuer fängt, so entsteht Holzkohle, die eine natürliche Dämmschicht bildet und das unbeschädigte Holz vor weitere Aufheizung bewahrt. Die Konstruktion hält dem Feuer länger stand und bricht nicht sofort zusammen.

 

Sie sind ein großer Befürworter von Lehm als Naturbaustoff. Was fasziniert Sie an Lehm besonders?

Der Baustoff Lehm bedeutet für mich „Leben“! Sein natürlicher Geruch, die bauphysikalischen Eigenschaften, die breite Verfügbarkeit und die Vielzahl an Gestaltungsmöglichkeiten beim Bauen haben mich immer schon begeistert.

Ebenso wie seine Heilwirkung! Lehmwickel haben sich z.B. bei Gelenksentzündungen bewährt. Diese sind ganz einfach zu machen: Sie rühren Lehm mit etwas kaltem Wasser zu einem streichfähigen Brei und streichen diesen etwa einen Zentimeter dick auf Tuch. Den Umschlag legen Sie mit der Lehmseite nach unten auf die Haut und fixieren ihn mit einem Tuch. Der Lehm trocknet und dadurch entsteht ein angenehmes Wärmegefühl. Wichtig ist, dass der Lehm keimfrei ist. Sie sollten das Lehmpulver also in der Apotheke oder von anderen zuverlässigen Quellen erwerben.

Lehm ist fast überall auf der Welt vorhanden und wird schon seit Menschengedenken für Bauvorhaben vielseitig genutzt. Bereits beim Aushub wurde der Lehm aus der Baugrube aufbereitet und anschließend wiederverwendet: für Abdichtungen im Traufenbereich oder bei Schwimmteichen, zum Mauern und Verputzen. Wobei für Letzteres heutzutage eine fertige Lehm-Sand-Mischung aus dem Handel eine gleichmäßige und geprüfte Qualität gewährleistet.

Das Material verkauft sich meiner Meinung leider unter seinem Wert.

Viele unserer Leserinnen und Leser haben bereits ein Haus. Welche Räume empfehlen Sie, z.B. nachträglich mit Lehm zu verputzen?

Die nachträgliche Anwendung von Lehm oder Lehmbauplatten ist fast im ganzen Haus möglich. Ich persönlich würde Lehm auf alle Fälle in den Schlafzimmern einsetzen. Dort verbringen wir viele Stunden unseres Lebens und möchten uns größtmögliche Erholung gönnen. Die natürlichen Fähigkeiten von Lehm wie z.B. Schadstoffe aus der Luft aufzunehmen, Strahlung abzuschirmen, die Luftfeuchtigkeit zu regulieren, sorgen für einen optimalen Schlaf. Wenn Sie z.B. viel Schwitzen, so nimmt Lehm die absorbierte Feuchtigkeit auf. Die Luft im Schlafzimmer ist erdenklich frischer und sorgt für ein angenehmes Schlaferlebnis. Aber auch im Bad ist Lehmputz empfehlenswert, da er wesentlich mehr Feuchtigkeit aufnehmen kann als herkömmliche Putz ohne Farbanstrich. So beugen Sie Schimmelbildung vor. Außerdem müssen Sie sich nicht mehr über beschlagene Spiegel und Fensterscheiben ärgern.  

Weitere Infos zu diesem Thema finden Sie ebenfalls bei Sand & Lehm!

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